NaNoWriMo 2015

November ist NaNoWriMo-Zeit und auch wenn ich gerade dieses Jahr nur sehr wenig Zeit habe und realisitisch wahrscheinlich nicht mal annähernd an die 50.000 Wörter rankommen werde, habe ich mich heute Nacht wieder an die Tastatur geschmissen, nach den ersten paar Seiten wohl verdient geschlafen und dann im Laufe des Tages unterbrochen von lockerer Prokrastination doch einen recht guten Start hingelegt mit über 6.000 Wörtern.

Das mag zum einen daran liegen, dass ich mit einem sehr prägenden Satz schon einen gute Einstimmung auf die Geschichte im Kopf habe, auch wenn diese selbst nur ein paar vage Eckpunkte bisher hat und keinen roten Faden. Zudem habe ich mich schon die letzten paar Tage in die verschiedenen Figuren eingedacht, mir passende Musik zurechtgelegt. Die letzten paar Wochen hatte ich darüber hinaus Gelegenheit, nicht nur viel zu lesen, sondern ein paar Mal ins Theater zu gehen, gute Konzerte zu besuchen und ein paar lohnenswerte Filme zu sehen. Zwar alles thematisch in einer völlig anderen Richtung, aber dennoch inspirierend. All about getting in the right headspace.

Gute Grundvoraussetzungen. Aber letztendlich kann der NaNo dann doch zuweilen schon am ersten Tag scheitern, wenn man nicht in die Geschichte reinkommt, die eigenen Charaktere einen langweilen oder sich die Handlung nicht entwickelt. Das ist mir schon passiert und das ist überaus frustrierend. Heute ging es dann doch aber in eine andere Richtung. Denn auch wenn sich die bisherige Wortanzahl recht viel anhört: Ich tippe sehr schnell und wenn ich im Flow bin, dann ist das ein halber Tag Arbeit. Sind ja schließlich keine Fachtexte, sondern unkorrigierte und uneditierte Handlungsstränge.

Um auf den Punkt zu kommen: Der Textteil heute war erstaunlich schwer in die Tastatur zu bringen. Weniger, weil ich nicht wusste wohin, sondern mehr weil die Handlung, die Stimmung, der Anfang der Geschichte ziemlich deprimierend ist und man sich manchmal von den Emotionen der eigenen Figuren mitreißen lässt: Wut, Freude, Überschwang oder wie in diesem Fall schiere Agonie. Deshalb musste ich immer mal wieder Pause machen, Musikvideos schauen, Kurzgeschichten lesen mit angenehmeren Themen, prokrastinieren halt. Am Ende habe ich aber doch recht viel zustandegebracht und ich glaube, ich bin erstmal über den harten Teil (der dann später in der Handlung wieder aufgegriffen wird, juchee) hinweg.

Jetzt kann ich nur hoffen, dass es im weiteren Verlauf etwas einfacher von der Hand geht, denn was man an einem Sonntag so zusammenbringt, ist ohnehin nicht mit der Wortklauberei in einer Arbeitswoche zu vergleichen.

 

Von wegen Parallelwelt

I.
Manchmal ist Berlin ja ein bisschen schizophren. Mit den Busfahrern, die von super-netter Punkerin bis hin zu freundlich dreinschauendem Arschloch reichen, den Arbeitervierteln und den Schicki-Micki-Läden, den Jogging-Hosen-zu-jeder-Gelegenheit-Trägern und den das-ist-ein-ironisches-Tattoo-Hipstern. Aber für gewöhnlich ist die Stadt als Allgemeines an den paar Sommertagen, die sie pro Jahr abbekommt, ausgesprochen gut gelaunt. Da will man raus, Dinge unternehmen, sich die Füße wahlweise wund laufen oder irgendwo am Ufer sitzend im Wasser abkühlen.

II.
Ich habe mich heute fürs Erstere entschieden und bin ein paar Stunden durch Neukölln gelaufen, mich nett unterhalten, etwas Stadtgeschichte gefrönt, lecker gegessen. Was man so macht, wenn das Leben gut ist. Die Unterhaltungen waren dann auch vorwiegend auf Englisch, weil der Großteil der Mitlaufenden das weitaus besser beherrscht als Deutsch, das ja ein wenig undankbarer beim Erlernen ist.

III.
Am Ende saß ich dann Bahnhof Neukölln, wartend weil – keine Überraschung – meine Bahn ausgefallen war und machte den Fehler mein Telefon rauszukramen und Nachrichten zu lesen. Fehler, weil ich am Ende wütend war. Bleibt einem ja auch nichts übrig, wenn man liest, dass die nächste geplante Flüchtlingsunterkunft in Flammen aufgegangen ist. Da will man am liebsten jemanden anschreien, aber bitte wen denn, wenn man zwischen einer älteren Zeitungs-lesenden Russin und einem jungen türkischen Mann mit einem kleinen Kind auf dem Schoß sitzt und einem die Ohren noch mit englischen Vokabeln ringen?

IV.
Und das ist längst kein ostdeutsches Problem mehr, diesmal waren es Bayern und Baden-Württemberg. In diesem Jahr gab es neben Sachsen auch Übergriffe in Hessen, Rheinland-Pfalz, Hamburg, usw. Das ist einmal quer durch die ganze Republik.

V.
Auch wenn verständlicherweise viel über Freital und Pegida gesprochen und geschrieben wird, muss endlich aufgehört werden, so zu tun, als ob das nur ein paar „pöbelnde Hinterwäldler“ sind, die sich gegen Flüchtlinge stellen und Menschen aus Kriegsgebieten unterstellen, sie würden nur herkommen, um „abzuzocken“.

VI.
Aber es ist einfacher das auf die doofen Sachsen zu schieben. Genauso einfach, wie es sich Flüchtlingsgegner machen, wenn sie allen Asylbewerbern das Leid absprechen, das sie in ihrer Heimat bereits erlebt haben bzw. das ihnen drohen würde, wenn sie zurückkehren müssen – und stattdessen traumatisierte Menschen als „Sozialschmarotzer“ verschreien.

VII.
Und so multi-kulti Berlin auch sein mag, soweit ist die Problematik, die Ausländerfeindlichkeit, hier beileibe nicht, wie man sich leicht einreden könnte, wenn man den Tag mit Besuchern und Zugezogenen aus anderen Ländern verbracht hat. Erst im letzten Jahr wurde in Schöneweide, wo ich selbst lebe, der „Henker“ geschlossen, eine Rechten-Kneipe, die seit der Eröffnung als Szeneschwerpunkt galt.* Nicht etwa weil der Laden pleite gegangen ist, sondern weil der Vermieter endlich mit seiner Kündigung gegenüber dem Besitzer durchgekommen ist. Seitdem hat der Stadtteil spürbar aufgeatmet, gerade auf der Nordseite der Spree entwickelt sich jetzt eine ganze Menge – neue Läden machen auf, es entsteht langsam aber sicher ein Studentenviertel rund um die HTW.

VIII.
Die Rechten haben sich aber natürlich nicht in Luft aufgelöst. Das Ganze verlagert sich jetzt wohl in Richtung Adlershof und das Salvador-Allende-Viertel. Das zeigt an nur einem Beispiel, dass es auch (und was die Vernetzung angeht wohl leider gerade) in Berlin sowohl die extreme Rechte gibt, als auch den „normalen Bürger“, der „nicht rechts ist“, aber nun auch nicht wirklich Ausländer als Nachbarn haben will. Wenn schon nicht den nahtlos integrierten Türken, dann bestimmt erst recht nicht Flüchtlinge, die aus verständlichen Gründen (noch) kein Deutsch beherrschen und die Kultur (noch) nicht kennen.

IX.
Können wir also bitte aufhören, so zu tun, als leben alle hetzenden Idioten in Sachsen?! Sicher gibt es da welche. Überall anderswo aber leider auch.

*Treptow-Köpenick hält, was Übergriffe mit ausländerfeindlichem Hintergrund angeht, einen traurigen Rekord. In den Jahren 2003-2012 fand fast jede sechste rechtsextremistische Straftat in Berlin in diesem Bezirk statt.

Über grauselige, hippe Projektnamen

I.

Die Politiker wollen ja ab und an den großen Wurf landen und/oder ein bei der Bevölkerung wahrscheinlich unbeliebtes oder schlicht uninteressantes Projekt an den Mann bzw. die Frau bringen. Dann braucht es natürlich einerseits vieler Reden, Diskussionen und Überzeugungsarbeit, andererseits aber auch eines schmissigen Namens. Wer erinnert sich nicht gern an “agendazwanzigzehn”?

II.

Nun ist mit solchen Namen auch immer die Gefahr verbunden, dass sie – wenn das jeweilige Projekt sich als Nullnummer herausstellt, bzw. es nicht zu Unrecht anfangs bei der Bevölkerung unbeliebt war –  zum Schimpfwort werden.

III.

Schon deshalb ist es wichtig, dem Kind nicht irgendeinen, sondern einen tollen, einprägsamen und wenn möglich total positiv konnotierten Namen zu geben.

IV.

Heute ging eine Pressemitteilung des BMAS herum, dass man nun bald, genauer am 22. April mit dem Dialog “Arbeiten 4.0″ (arbeitenviernull) beginnen wird.

V.

Als ich das gelesen habe, dachte ich mir: Ohje, da hat Frau Nahles wohl ein paar ungeliebte Mitarbeiter in ein fensterloses Büro des Ministeriums gesetzt und sie brainstormen lassen, einen hippen Namen zu finden.

VI.

Tatsächlich lehnt sich die Bezeichnung aber an ein Projekt des Bildungsministerium mit dem Namen “Industrie 4.0″ an. Und da macht das auch halbwegs Sinn, da es bei diesem um Hightech-Strategien vor allem in der produzierenden Wirtschaft geht.

VII.

Nun muss aber auch das “Arbeiten 4.0″ gerechtfertigt werden und dann kommt man zu doch recht abstrusen Herleitungen, bei der Arbeiten 1.0 irgendwo am Anfang der industriellen Revolution liegt, Arbeiten 2.0 irgendwo an deren Ende, und dann haben wir die “Konsolidierung des Sozialstaats” und uff, dann muss ja bald Arbeiten 4.0 kommen. Ganz seltsam. Weil vor der Erfindung der Dampfmaschine hat ja auch niemand gearbeitet.

VIII.

Wäre “Diskussion zur Zukunft der Arbeit in Deutschland” nicht bürgernäher, klarer und weniger an den vernetzten Teil der Bevölkerung anbiedernd gewesen?

Medienreaktion auf Germanwings – Im Eifer der ersten Meldung

I.

Im Rahmen meines Jobs behalte ich tagsüber normalerweise die Nachrichtenlage im Blick. So ist Google News meist in einem Tab geöffnet, ich aktualisiere auch regelmäßig die Seiten von Spiegel Online, Zeit und Süddeutsche. Von anderen Medien (Bild allen voran) halte ich mich wenn möglich fern. Seit einiger Zeit schaue ich zudem, was gerade auf Twitter “trendet”.

II.

Wenn es dann zu einem Unglück wie dem Flugzeugabsturz heute kommt, bekomme ich das daher auch meistens sehr schnell mit. Nicht immer ist allerdings so deutlich wie heute, was für ein Moloch das Internet doch sein kann. Während die Social Media Teams von Germanwings und Lufthansa sehr verständig und pietvoll zum Beispiel auf Twitter reagiert haben, zeigten andere weniger Feingefühl.

III.

Sicher, dass man gerade bei Twitter unter den dann gerade aktuellen Hashtags auch eine Menge Stuss, Verschwörungstheorien und buchstäblich Beleidigendes und Verletzendes lesen muss, ist mir bewusst. Allerdings gibt es hier immer noch die Unterscheidung zwischen dem Chemtrail-Gläubigen von nebenan oder offiziellen Stellen bzw. seriösen Medienhäusern. Von letzteren erwarte ich schon, dass sie vor Veröffentlichung eines Beitrags oder Tweets zumindest einen Moment innehalten und darüber nachdenken, ob sie jemandem, der gerade trauert vor den Kopf stoßen könnten. Oder ob es wirklich notwendig ist, auf absenden zu klicken.

IV.

Das Twitter-Team vom Hessischen Rundfunk (bzw. @hrinfo) musste heute dann auch ganz schnell erkennen, dass es vielleicht nicht ganz so gut ankommt, wenn man, kaum dass ein Unglück wie das heutige bekannt wird, auf den fallenden Aktienkurs der entsprechenden Fluggesellschaft (in diesem Fall die Flughansa) verweist. Immerhin haben sie den entsprechenden Tweet nicht klammheimlich gelöscht, sondern sich – wenn auch etwas halbherzig – entschuldigt.

V.

Andere Medien scheitern dann – leider nicht zum ersten Mal – an ihrem Anspruch alles gleich in Bildern zu erzählen. Reicht nicht eine Grafik zur Lage der Absturzstelle, vielleicht in Kombination mit einem Interview? Muss man gerade in den ersten Minuten und Stunden krampfhaft belanglose Bilder von Germanwings-Maschinen – oder viel schlimmer – Fotos oder Bewegtbilder von verzweifelten Angehörigen zeigen? Blendet die Hotline vom Auswärtigen Amt ein. Zeigt Euch betroffen. Checkt Eure Informationen, selbst wenn es im ersten Moment nur wenig zu berichten gibt, anstatt jedes kleine Gerücht durch den Äther zu blasen oder selbst wild zu spekulieren. Das hilft niemanden. Weder den Angehörigen, die genug traumatisiert sein dürften, noch Lesern bzw. Zuschauern, die sich verständlicherweise informieren wollen, die aber Fehlinformationen kein Stück weiterbringen.

konsumptiv, Herr Steinbrück?!

I.

In einer Folge der großartigen Fernsehserie West Wing ergibt sich zwischen dem fiktiven US-amerikanischen Präsidenten Josiah Bartlet und seinem Beraterstab eine Diskussion darüber, wie viel Intelligenz man dem Publikum einer Ansprache abverlangen kann. Einige Berater Bartlets raten dazu, die geplante Rede des Präsidenten “herunterzudummen”. Der teilweise fast unerträglich belesene Bartlet hält dagegen, dass er keinen Sinn darin sieht, sein Volk zu unterfordern.

II.

Tatsächlich berührt dieses Beispiel ein grundsätzliches Problem – die meisten Politiker sind in ein, zwei Themen über die Jahre zu Experten erwachsen. Selbst wenn sie zu einer Angelegenheit Stellung nehmen, in die sich nur durch ein paar sorgsam zusammen gestellte Briefings eingelesen haben, dann heißt das noch lange nicht, dass es einfach ist, die damit verbundenen, oftmals sehr komplexen Zusammenhänge in Interviews oder Fragestunden auch so verständlich zu erklären, dass sie “vom einfachen Mann auf der Straße” verstanden werden.

III.

Genau das ist mir heute Morgen mal wieder bei Peer Steinbrück und seiner Äußerung zur Rentenpolitik der Regierung aufgefallen. In der Online-Ausgabe vom Spiegel wurde er nur ganz knapp zitiert, vermutlich auch deshalb um die Leute dazu zu animieren, sich die Printausgabe (11/2015) mit dem vollständigen Interview anzuschaffen (alles völlig legitim, wenn auch nicht unbedingt subtil). Das Problem hierbei: Steinbrück wurde ausgerechnet an einer Stelle zitiert, bei der er auf nicht gerade gebräuchliche Fremdwörter zurückgreift. So auch “konsumptiv” (ob das nun mit oder ohne P richtig geschrieben ist, sei mal dahingestellt).

IV.

Das Problem dabei ist, dass Steinbrück sich in dem entsprechenden Interview keineswegs durchgängig so ausgedrückt hat, generell ist er sogar ganz gut dabei, Dinge herunterzubrechen. Aber natürlich – und das geht aus dem kurzer Spon-Artikel nicht hervor – hat er sich in dem Interview gar nicht weitergehend zur Rentenpolitik geäußert. Das macht er wahrscheinlich in seinem neuen Buch – wenn man ihn aber nicht daraus, aber eben aus dem Spiegel-Interview zitieren will, kommt man nicht um das konsumptiv und auch nicht um das gleich darauf folgende investiv herum. Es sei denn natürlich man zitiert nicht wortwörtlich, sondern gibt seine Meinung einfacher wieder: “Die Regierung gibt bei Dingen wie der Rente viel Geld aus, investiert aber insgesamt zu wenig in die Zukunft.”

V.

Interessanterweise wird in dem Interview mit Steinbrück die intellektuelle Unter- bzw. Überforderung der Menschen im Land durchaus angeschnitten. Als Steinbrück das Wort “unterfordern” in den Mund nimmt, wird er gefragt, ob die politischen Themen mittlerweile nicht derart komplex geworden sind, dass man sie kaum noch versteht. Steinbrücks Antwort: “Die Menschen fühlen sich überfordert von Globalisierung, Beschleunigung, Komplexität. Die Politik überfordert sie gewiss nicht. Die lullt sie eher ein.”

 VI.

In der Abfolge des Interviews steht das Zitat mit dem bösen Fremdwort im Übrigen fast direkt nach diesen Überlegungen. Da wünscht man sich doch, dass hier etwas bewusster zitiert würde. Der Eindruck, der sich als Leserin des kurzen Online-Abrisses aufdrängt: “Jetzt drück Dich mal verständlich aus, dann verstehen auch mehr Menschen, worauf Du hinauswillst.”

VII.

Der Eindruck, den ich als Leserin des Print-Interviews gewinne: “Differenzierte Selbstanalyse zur missglückten Kanzlerkandidatur, ein paar Worte zur aktuellen Innen- und Außenpolitik und ein paar interessante Kommentare zur derzeitigen Medienlandschaft, denen man ruhig ein wenig mehr Raum hätte geben können.”

Und nun noch mal von vorn…

I.
Mein Blog ist mir zu klein geworden. Vor zirka neun Jahren habe ich das alte Ding bei WordPress registriert. Damals war ich gerade dabei nach sehr langen Überlegungen mein erstes Studium hinzuschmeißen und trotz aller finanzieller Schwierigkeiten, die das mit sich brachte (ergo keinen Anspruch mehr auf BAföG zu haben und sich das Studium komplett selbst finanzieren zu müssen), noch einmal in einem anderen Fach von vorne anzufangen. Dafür aber auch glücklich mit dem zu sein, was ich studierte. Auch in anderen Belangen musste ich mir damals mein Leben neu sortieren.

Dementsprechend hatte ich kaum eine klare Idee, wohin ich mit der Seite überhaupt hinwollte. Ich setzte mir ein arg begrenzte Spielwiese (so Zeug mit Literatur und Dinge) und war dann in den Folgejahren immer wieder frustriert, wenn ich mich an diesen Grenzen abrieb und der Blog kein wirkliches Leben eingehaucht bekam.

Als jemand, der ungern Sachen einfach so löscht und ausmerzt, wäre es für mich wenig verlockend, den Blog einmal aufzuräumen und neu anzufangen. Lieber lasse ich ihn unter seiner jetzigen Adresse hypothe.se stehen, als Archiv oder bis ich mich zu einer anderen Verwendung dieser liebgewonnenen Domain durchringen kann. Und fange eben hier was neues an.

II.
Ich mache nun beruflich „was mit Medien“. Das heißt, ich verdiene schon seit geraumer Zeit meinen Lebensunterhalt mit dem, was mir Spaß macht – dem Schreiben. Klar, das ist nur ein Teil meiner Arbeit und ich schreibe keine schöne Literatur, sondern Sachtexte zu einem Thema, das ein nicht unwesentlicher Teil der Menschen als langweilig empfindet (Versicherung, Finanzen, Wirtschaft). Aber dieser Job bringt es mit sich, dass ich mich nicht nur jeden Tag mit Sprache auseinandersetze. Ich habe auch einen (wenn auch recht fokussierten) Blick auf die Medienlandschaft, der es mir manchmal schwermacht, mich nicht dazu zu äußern.

III.
Ich habe einen sehr unruhigen Verstand. Ich langweile mich unheimlich schnell. Ich konsumiere 95 Prozent meiner wachen Zeit irgendetwas. Bücher, Texte, Serien, Filme, Hörspiele. Ich lese oft zwei bis drei Artikel parallel während ich an einem eigenen Text arbeite, einen fremden Text redigiere oder… oh, Eilmeldung bei Spon. Wenn ich mir das unleidige Multitasking verwehre „um mich besser konzentrieren zu können“, ist das Ergebnis meistens objektiv sehr viel schlechter als wenn ich dem Ganzen seinen natürlichen Lauf lasse.

Kurz gesagt, ich habe viel Input und ich kann mich zum Glück auch für eine ganze Reihe von Dingen begeistern. Oftmals fehlt mir dabei ein Kanal, das zu ordnen oder zu teilen. Wer mich kennt, weiß allzu oft auch, dass ich, selbst wenn ich versuche mich zurückzuhalten, mit meinen Kommentaren zu dem Ereignis oder dem witzigen Funfact meine Umgebung auch ganz gehörig nerven kann.

IV.
Warum nicht?

Und deshalb hier nun ein neuer Blog.

Doctor Who – Red Dawn

Written By: Justin Richards, Directed By: Gary Russell

Produziert von:
Big Finish
Laufzeit: 160 Minuten
Sprache: Englisch
Genre: Sci-Fi
Preis: Als Download rund 3 Euro.

Den Trailer gibt es hier kostenlos.

Inhalt:
Peri hätte gern Pflanzen, Landschaften, eine hübsche Aussicht, aber es verschlägt sie und den fünften Doctor in das Innere eines Gebäudes. Dort funktionieren die Türen nur sehr eigenwillig und öffnet sich mal eine, dann ist man auch unversehens mit dem Forschungsteam einer NASA-Expedition konfrontiert.

Der Planet, auf dem Peri und der Doctor sich befinden, ist natürlich der Mars und natürlich trifft man auch sehr bald auf Ice Warriors. Nebenbei ist zumindest ein Teilnehmer der Mars-Expedition weniger an echten wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern mehr an vermarktungsfähigen Waffentechnologien interessiert. So geht es bald um Vertrauen, Habgier, Ehre und Familienbande. Und mittendrin Peri und der Doctor, die zu vermitteln versuchen und dabei nach und nach Ungeheuerliches aufdecken.

Bewertung:
Red Dawn ist ein sehr klassisches Doctor Who-Abenteuer. Allerdings ist es meines Erachtens auch eins der etwas langweiligeren, weil alle Wendungen mehr oder weniger alt sind und daher kaum überraschen. So richtig mag auch die Atmosphäre keine Funken schlagen – sonst klappt das bei den Big Finishs ja immer recht gut.

Kann aber auch gut sein, dass hier einfach viele Dinge zusammenkommen, an denen ich generell nur wenig Gefallen finde. Zudem mag ich Peter Davidson mehr auf dem Bildschirm – seine Hörspiele schaffen mich fast nie wirklich zu begeistern. Wer klassische Doctor Who Unterhaltung mag, kann aber sicherlich Freude an Red Dawn finden.

Fun Fact am Rande: Red Dawn zeigt mal wieder wie klein die Big Finish Gemeinde gerade am Anfang doch noch war. Nicht nur übernimmt Gary Russell selbst eine Sprechrolle, Georgia Moffett ist auch mit von der Partie. Diese dürfte Doctor Who Fans als Tochter des Doctors bekannt sein (einmal im wahren Leben als Tochter von Peter Davidson, einmal als weiblicher Klon vom zehnten Doctor). Ach ja – und sie ist inzwischen auch mit David Tennant verheiratet.

Fazit: Für mich bestensfalls ok. Auch nicht wirklich schlecht – mehr eines der Hörspiele, die man schnell wieder vergisst.

Der Minimalist

Von Frank Schmidt

Produziert von: hoerspielprojekt.de
Laufzeit: 30 Minuten
Sprache: deutsch
Genre: Drama
Preis: Gibt’s kostenlos hier.

Inhalt:
Frank Groll ist ein recht normaler junger Mann. Vielleicht etwas zu bequem und nach Ansicht seiner Freundin eindeutig zu unordentlich. Sie ist am Anfang auch ganz begeistert, als Frank beschließt, mit dem Selbsthilfe-Buch „Weg damit“ seine Unordnung unter Kontrolle zu bringen. Doch nach wenigen Wochen wird klar, dass Frank es mit seinem Projekt übertreibt. Statt nur Ordnung in die eigenen vier Wände zu bringen, verabschiedet er sich mehr und mehr von allen seinen Habseligkeiten. Auch sein Job und seine Beziehung leiden schließlich unter seinem Wahn, alles Unnötige im Leben hinter sich zu lassen. Bald befindet sich Frank in einer Abwärtsspirale, die unaufhaltsam erscheint.

Bewertung:
Die Geschichte ist recht originell, obwohl man sich ziemlich schnell denken kann, wie das Ganze enden wird. Das tut dem Hörspiel aber keinen Abbruch. Wahrscheinlich liegt das auch an der Kürze des Hörspiels, mit einer halben Stunde ist es ja doch eher ein Quickie.

Ein Manko sind allerdings die Sprecher, denen man ihre Begeisterung zwar anmerkt, denen aber wohl die Erfahrung fehlt. So wirken einige Dialoge hölzern, während andere zu übertrieben daherkommen. Allerdings arbeiten beim Hoerspielprojekt nicht nur Profis sondern eben auch Laien mit. Im Gegenzug passen das Sounddesign und die musikalische Untermalung.

Der Vollständigkeit halber: An der Story stört mich ein klein wenig das Ende. Dieses ist einerseits recht blutrünstig, was mir nichts macht, was allerdings auch nicht unbedingt notwendig gewesen wäre. Dafür gibt es aber ein typisches Horror-Ende, bei dem sich andeutet, dass sich die Geschichte wiederholen wird. Das ist mir persönlich zu ausgelutscht. Hier wäre ein wirklich offenes Ende weitaus besser gewesen.

Fazit: Ein nettes kleines Stück für Zwischendurch.

Die Katze des Libanesen

Von John von Düffel (Buch) und Christiane Ohaus (Regie)
Ein ARD-Radio-Tatort

Produziert vom Radio Bremen
Laufzeit: 45 Minuten
Sprache: Deutsch
Genre: Krimi
Preis: Kostenlos hier.

Inhalt:
In einer Bremer Wohnung kommt es zu einem Blutbad und neben einem Schwerverletzten, der nicht nur traumatisiert ist, sondern gleich nach der Tat auch entführt wird, gibt es nur eine Katze, die die Tat beobachtet hat. Hauptkommissarin Evernich und Staatsanwalt Gröninger versuchen, dem Rätsel auf die Spur zu kommen und drohen alsbald an einem Computer mit Passwortschutz zu scheitern.

Bewertung:
Ohje, ohje, das wird ein Verriss. Ich versuche ja immer noch mit dem Radio Tatort warm zu werden. Nachdem Irmis Ehre ja nicht soo schlecht war, dachte ich mir, ich widme mich nun mal den aktuelleren Folgen. Aber die hier ist unspannend und noch dazu schlecht recherchiert. Mehr noch: Sie wirkt, als wäre sie von jemandem geschrieben, der keine Ahnung von moderner Technik hat. Das tut weh. Wirklich, wirklich weh. Zumal neben der kotzenden Katze der vermaledeite Computer so ziemlich alles ist, worum es sich bei diesem Hörspiel dreht.

Neben der grandiosen Feststellung, dass es heutzutage USB-Sticks gibt, die kaum größer als ein Daumennagel sind (stilecht kommentiert mit Erstaunen und Bewunderung), wird das Hörspiel spätestens dann lächerlich, wenn mehrere selbsterklärte Nicht-Computer-Experten versuchen, die angeblich totsichere Verschlüsselung eines Computers (einfache Passwörter gelten in keinem Universum als totsicher) zu knacken. Anstatt einfach mal die Profis ranzulassen. Und am Schluss gibt es noch nicht einmal ein richtiges Ende. Gnnn.

Fazit: Die dreiviertel Stunde hätte ich mit sparen können. Ich gebe den Radio Tatort noch nicht auf, werde mir aber nächstes Mal ganz sicher keine der Bremer Ausgaben schnappen.

Doctor Who – The Genocide Machine

Written by Mike Tucker, directed by Nicholas Briggs

Produktionsfirma: Big Finish
Laufzeit: 4 Teile, 120 Minuten
Sprache: Englisch
Genre: Science Fiction/Drama
Preis: Als Download rund 3 Euro.

Hier gibt’s den (sehr kurzen) Trailer.


Inhalt:

Beim Durchstöbern der Tardis-Bibliothek entdeckt Ace ein paar sehr überfällige Bücher die Bibliothek von Kar-Charrat. Der siebente Doctor zeigt sich entsetzt – schließlich beherbergt die verborgene Bibliothek ein Exemplar von jedem Buch, das jemals erschienen ist – und das Fehlen der Bücher bedeutet eine Lücke in der sonst vollständigen Sammlung. Also reisen die beiden kurzerhand nach Kar-Charrat.

Dort wird gerade an einem neuen Speichersystem für all die Informationen der Bibliothek gearbeitet, das auf Wasser basiert. Fast nebenbei erfährt der Doctor, dass die Bibliothek in der Vergangenheit schon angegriffen wurde, bisher allen Attacken wiederstehen konnte. Bald stellt sich heraus, dass es sich bei den Angreifern um die Daleks handelt, die die Informationen der Bibliothek als Waffe benutzen wollen. Doch die Daleks haben keineswegs aufgegeben. Vielmehr warten sie im Dschungel, der die Bibliothek umgibt, und finden in Ace endlich eine Möglichkeit in den bestens verteidigten Wissensspeicher einzudringen.

Bewertung:
Ich mag ja Ace als Companion, für den gerade am Ende der Geschichte sehr dunklen Unterton passt ihre Figur ausgesprochen gut. Generell baut sich das Hörspiel sehr gelungen auf, die Nebenfiguren sind sehr lebendig gestaltet, so dass die Stimmen der Sprecher vollkommen ausreichen, um sich ein gutes Bild von ihnen machen zu können.

Die Story an sich hat zahlreiche bekannte Komponenten, der große Aha-Effekt fehlt also. Dennoch ist die Umsetzung ausgezeichnet, so dass ich mich persönlich nicht sonderlich daran gestört habe, dass es sicherlich originellere Hörspiele von Big Finish gibt.

Abgesehen davon störe ich mich mal nicht an den Daleks, die ich sonst oft genug als unnötigen Plot-Device empfinde. Zwar hätten auch andere Monster in der Geschichte gut funktioniert. Allerdings fügen sie sich angemessen ein und man hat als Hörer zudem die Möglichkeit sich auf andere Aspekte der Story zu konzentrieren, weil man ja schon weiß wie die „pepper pots“ so ticken.

Fazit: Die Story passt zum oft genug sehr melancholischen siebenten Doctor. Und Ace ist immer ein Plus. Macht beim zweiten Hören sogar noch mehr Spaß.